Noch vier Wochen bis MiFID2 – Zehn Punkte die ab dem 3. Januar 2018 zu beachten sind

Die neuen MiFID2 Regeln werden zum 3. Januar 2018 umgesetzt.

Diese 10 Dinge müssen Sie als z.B. Vermögensverwalter beachten um MiFID2-Konform zu sein (Quelle: Baader Bank AG):

1. Umstellung der Vermögensverwaltungsverträge

Die derzeitigen Vermögensverwaltungsverträge sind mit Blick auf das Zuwendungsverbot zu prüfen. Bei der Bepreisung von Vermögensverwaltungsdienstleistungen sind nunmehr Mischkalkulationen, die ein relativ niedriges Entgelt für den Kunden vorsehen und durch zusätzliche Bestandsprovisionseinnahmen refinanziert werden, nicht mehr möglich. Entsprechende Vertragsklauseln (z.B. Behaltensklauseln) sind ebenfalls nicht mehr zulässig. Die Bestandsprovision wird an den Endkunden ausgeschüttet.

Der „neue“ Vermögensverwaltungsvertrag muss künftig einen abschließenden Katalog verbotener Instrumente enthalten. Dieser Katalog orientiert sich an den mit dem Kunden vereinbarten Anlagerichtlinien.

2. Bezug von Research Reports

Research fällt als nichtmonetärer geldwerter Vorteil unter das Zuwendungsverbot des § 64 Abs. 7 WpHG-E und kann daher in der Vermögensverwaltung nur noch angenommen und behalten werden, wenn entweder die Bereichsausnahme des § 70 Abs. 2 Satz 2 WpHG greift (= direkte Zahlung durch das Institut aus eigenen Mitteln oder mittels spezieller vom Kunden entrichteter Analysegebühr, sog. Research Payment Account).

3. Einführung eines Verlustschwellenreportings

Die MiFID II führt nun eine gesetzliche Berichtspflicht ein, wenn der Gesamtwert des verwalteten Portfolios gegenüber seinem Bestand zu Beginn einer Berichtsperiode um 10% gefallen ist. Fällt der Wert des Portfolios weiter, werden mit Überschreitung weiterer Verlustschwellen (in 10%-Schritten) Berichtspflichten ausgelöst (siehe Art. 62 Abs. 1 MiFID II-DVO).Der Bericht über die Verluste muss spätestens am Ende des Geschäftstages erfolgen, an dem der Schwellenwert überschritten wurde.

4. LEI – Pflicht

Mit Firmenkunden, die zum 03.01.2018 noch keinen LEI haben, darf man nicht mehr handeln. Insofern müssen zum Jahresende 2017 alle Firmenkunden ohne LEI für den Handel gesperrt werden.

5. Nachhandelstransparenz

Die Nachhandelstransparenz dient dem Ziel, dem Markt zeitnah Informationen über Volumen, Preis und Zeitpunkt von Geschäften an die Hand zu geben, die außerhalb eines Handelsplatzes abgeschlossen wurden und deshalb nicht über den Handelsplatz veröffentlicht werden. Diese Pflicht übernehmen viele Depotbanken für ihre Kunden durch Abschluss entsprechender Verträge.

6. Handelsplatzpflicht für Aktien

Die Handelsplatzpflicht gem. Art. 23 der MiFIR bezieht sich auf die Pflicht, dass Handelsgeschäfte in Aktien, die zum Handel an einem geregelten Markt zugelassen sind oder an einem Handelsplatz gehandelt werden, an einem geregelten Markt oder gegebenenfalls im Rahmen eines MTF oder SI getätigt werden. OTC Transaktionen können nur noch getätigt werden, wenn nicht auf systematische Weise, sondern vielmehr ad-hoc, ein großes Volumen aufweisen und unregelmäßig und auch selten getätigt werden.

7. Transaktionsreporting

Auch der Vermögensverwalter ist gem. Art. 26 MiFIR i.V.m. Art. 2 ff. DVO 2017/590 von der Pflicht zur Meldung betroffen.
Es gibt bis zu 65 Felder je Geschäftsmeldung. Diese erfolgt entweder direkt an Aufsicht über das MVP Portal der BaFin oder über einen sog. ARM. Mit einem entsprechenden Meldevertrag kann auch die Depotbank die Meldung des VV übernehmen. Sie meldet dann in der eigenen Meldung zusätzlich die Meldeinhalte des Vermögensverwalters mit. Der Kunde des VV ist als Käufer / Verkäufer zu melden mit National Identifier bzw. LEI und der Vermögensverwalter als Decision Maker mit LEI und Mitarbeiter des VV mit National Identifier (in Deutschland „Concat“).

Der individuelle Investmententscheider seitens des VV muss der Depotbank bei jeder Transaktion bekannt sein.

8. Kostentransparenz

Vor dem ersten Handelsgeschäft müssen die Kosten rechtzeitig vor Ordererteilung, ggf. durch Schätzung, offengelegt werden. Dabei wird unterschieden zwischen Kosten des Finanzinstruments (Produktkosten) und Dienstleistungskosten (Einstiegskosten, Haltekosten, Ausstiegskosten). Ebenso muss eine Darstellung der Auswirkung auf die Rendite auf dauerhaftem Datenträger erfolgen. Bei Flat-Fee Vereinbarung in der Vermögensverwaltung fallen keine Kosten bei den Transaktionen an. Es dürfen aber dann keine Festpreisgeschäfte getätigt werden, da hier weitere Kosten im Kurs stecken. Nach Ende eines Geschäftsjahres erhalten die Kunden einen Gebührenreport, der zeigt, welche Kosten im Berichtszeitraum kumuliert angefallen sind. Man kann gleiche ISINs zusammenfassen, ggf. auch Aggregation auf Asset Klassen oder für jedes Geschäft einzeln ausweisen.

9. Bestandsreporting

Grundsätzlich müssen alle Kunden mind. jedes Quartal eine Aufstellung ihrer Finanzinstrumente und Gelder auf einem dauerhaften Datenträger erhalten. Es geht dabei um die verwahrfähigen Finanzinstrumente und Einlagen mit ihrem aktuellen Marktwert. Ebenso Hinweis auf Schutz der Kundenassets nach MiFID2 (Safeguarding). Der Stichtag für den Quartalsbericht ist das Ende des Berichtszeitraumes. Den Zeitpunkt kann das Institut konkret selbst bestimmen.

10. Mitarbeiterqualifikation

Mitarbeiter in der Finanzportfolioverwaltung i.S. § 87 (3) WpHG müssen die für ihre Tätigkeit erforderliche Sachkunde haben, sie kontinuierlich wahren und regelmäßig auf neuesten Stand bringen.

Es erfolgt eine jährliche Überprüfung der Mitarbeiter unter Berücksichtigung gesetzlicher Änderungen sowie Änderungen im Angebot der VV. Die Sachkunde umfasst Kenntnisse und praktische Erfahrung mit Finanzinstrumenten, die im Rahmen der Vermögensverwalter erworben werden sowie rechtliche und fachliche Grundlagen des Portfoliomanagements und der Portfolioanalyse als auch Kenntnisse der internen Arbeitsanweisungen. Die Sachkunde muss durch Abschluss- und Arbeitszeugnisse und Schulungsnachweise nachgewiesen werden.

Recommended Posts

Leave a Comment